ARENA Diskussion
Gedanken als Nachlese
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Lernselbst josef strebel © |
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Erfreulich war, dass ein Praktiker aus der Immigrations- Erziehungs- und Jugendszene, dafür einsteht, dass...
- die Prägungsphase der Kinder (0-4 Jahre) die wichtigste ist, in der Entwicklungs-Chancen ergriffen oder vertan weden; - mit der Einschulung (ob in den Kindergarten oder direkt in die Primar) die Chancenungleichheit erstmals offenkundig wird; - die Pubertätsphase die bestehenden Chancenunterschiede noch verstärkt und ungelöste Probleme massiv zu Tage treten lässt. Als der Erfahrungswert von mindestens 20% Anteil Kinder mit schlechte(re)n Chancen ins Gespräch kam, zeigte sich, wer dieser erlebten Wahrheit nicht ins Auge zu schauen vermochte: die Vertreterin der Linken und der Delegierte der Privatschulen!
Nun regen sich auch im Kanton Schwyz Kräfte, welche für die Schule unlösbare Herausforderungen früher und deshalb effizienter (und damit auch kostengünstiger) lösen wollen. Die verantwortliche Jugendpsychiaterin spricht gar von einem Supernanny - Dienst; so zu lesen in der Samstagspresse. Was nun viele aufschreckt, ist der bei offensichtlich problematischen Umständen unvermeidliche Eingriff in die Privatsphäre, in die Familie. "Dies ist die weitaus günstigste und erfolgversprechendste Methode" wurde in der Arena vermerkt; ganz neue Töne!
Weil diese Einsicht aber emotional sehr belastet ist und kaum erörtert werden kann, hier eine technische Parallele. Ein ins Schulzimmer eingeladener Top-Manager aus einem Zentralschweizer Technologiekonzern (jawohl, das gibst) klärte die OberstufenschülerInnen, was bei ihnen im Industriebetrieb Fehler kosten, speziell wenn sie zu spät erkannt und aufgelöst werden. Bleiben Fehler in der Produkteentwicklung und Produktion unerkannt, explodieren die Kosten bei jedem weiteren Schritt. Setzen wir einen Fehler am Anfang entdeckt und behoben mit CHF 1.- in Rechnung, so potenzieren sich die Kosten bei verspäteter Behebung wie folgt!
Dieses Beispiel aus der Industrie lässt sich so sicher nicht auf die Schule übertragen. Wir "produzieren" zwar auch ein Gut, Bildung. Den uns zur Ausbildung und wo nötig Erziehung anvertrauten Schüler aber als Produkt zu bezeichnen, widerspräche jeglicher Ethik und Achtung vor dem wirklichen Leben und seinen Herausforderungen. Ist nicht genau dies als springender Punkt für den kritischen Zuschauer auch in der ARENA vom 20. April 2007 offensichtlich geworden. Alle sprechen von Werten, aber keiner gesteht sich ein, dass genau hier das Grundproblem unserer jetzigen Gesellschaft liegt.
Gibt es in unserem Land überhaupt ein Wertesystem, das mehr als einen Bruchteil von BürgerInnen zu einen und zu leiten vermag? Leere Kirchenbänke, gestörte Rütlifeiern, Aufsplitterung der Parteienlandschaft, "Bediene sich wer kann" Mentalität in den Chefetagen, neue Arme, Jugendgewalt, Littering... alles Zeichen für eine fehlende gemeinsame Wertebasis. Als Oberstufenlehrer freut mich, dass langsam die Einsicht dämmert, dass wir LehrerInnen die Versäumnisse vieler Verantwortlicher vor uns nicht plötzlich beim Pubertierenden ausbügeln und Chancengleichheit herstellen können. Was wir können und gerne tun ist, mit den anvertrauten Jugendlichen zu arbeiten, die in ihnen angelegten Talente zu wecken und zu entwickeln und dem altersgemässen "Grenzen suchen" genau solche zu weisen. Menschen tun ihr Menschenmögliches, die einen für das Lächeln eines Kindes, eines Kranken oder Sterbenden, andere für Millionengewinne als Aktionäre oder CEOs. Heutige Jugendliche sind "ausgeschlafen(er)" und rebellieren kraftvoll gegen die Ungereimtheiten unserer Gesellschaft. Ist nicht gerade dies ihr Vorrecht und gar ihre Pflicht? |
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Haben Sie in der Arena-Diskussion vom 13. April auch gestaunt, dass alle über ProblemschülerInnen und Problemeltern und Problemlehrpersonen Bescheid zu wissen meinen und kaum ein Votum darauf hinwies, dass sich diese SchülerInnen dereinst in den Arbeitsprozess einzugliedern haben werden oder gar, dass sie in Zukunft die Geschicke dieses Landes lenken sollen? Bildet die "Schule in der Krise" vielleicht die "Krise in unserer Gesellschaft" ab? Erinnern Sie sich, wie an den Hausaufgaben das dahinter liegende Problem der fehlenden Ansprechpartner daheim für die Jugendlichen sich manifestierte? Und wie wurde das Problem gelöst? Richtig erinnert, die Hausaufgaben wurden abgeschafft - das wirkliche Problem aber meldet sich - weil ungelöst - beharrlich wieder. Mit Schulleitungen werde nun alles besser, wissen die Bildungspolitiker. Die Schulleiter sind demnach jene Übermenschen, die es richten können und werden?! Eine Gesellschaft kann kaum eine bessere Schule / Polizei, ein besseres Gesundheitswesen haben, als sie verdient. Der wahre Pädagoge bleibt seinen SchülerInnen, seinem Gewissen und jenen, welche seine SchülerInnen ihm anvertrauen und auch zur Weiterausbildung übernehmen werden verpflichtet und leistet mit Beharrlichkeit und Einsatz und trotz viel unsachlicher und wie Böen aus dauernd wechselnden Richtungen einfallender Kritik das Menschenmögliche; mehr liegt nicht drin. Der akute Lehrermangel auf der Volks-schuloberstufe - dann wenn Pubertierende wirklich herausfordern - ist Fakt, auch dafür, dass sich BerufseinsteigerInnen zum als Lehrperson"nützliche Idioten spielen" sehr wohl Alternativen vorstellen können und auch solche wählen, trotz weniger Ferien. Und wie belohnen wir jene SchülerInnen, Eltern, Lehrpersonen und Lehrmeister, die beharrlich und einsatzfreudig und optimistisch immer wieder bereit sind, das Wagnis Erziehung und Ausbildung einzugehen und gerade auch an Herausforderungen zu wachsen? Bereits ein Stopp der Geringschätzung von Hausfrauen- Lehrer- Polizisten- Pflegearbeit ist ein Anfang und die Bereitstellung stimmiger Ressourcen der nötige zweite Schritt. Wenn dann zusätzlich die wirklichen Entscheidungsträger und erfolgreichen Lobbyisten in diesem Land sich für ein mal den "Not - wendigen" Dienstleistungen widmen würden (Bildung / Gesundheit / Sicherheit), werden die Aufgaben und Lasten auch wieder gerechter verteilt und damit für jeden an seinem Platz leistbar werden. Ob ich das noch erleben darf? Dies kümmert mich nicht wirklich. Beharrlich daran zu arbeiten, ist meine selbstgewählte Aufgabe und der Spass dies mit kritischen Jugendlichen zu tun, ein wichtiger Teil meines Lohnes. Dreissig Jahre bin ich Oberstufenlehrer und lerne täglich Neues von und durch die mir anvertrauten SchülerInnen. Sie sind es, die meine pure Lust am gemeinsam Schule halten über die Jahre noch zu verstärken wussten. Von ihnen und ihrer forschen, aufmüpfigen Art wurde ich gebildet, frei zu sagen, was ich denke und einzustehen für das, was ich tue; authentisch zu sein. Unbequem sind wir ge-worden, die Jugendlichen und ich als Lehrer und das ist gut so, oder sind Sie anderer Meinung ?
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